WhatsApp, Teacher?

WhatsApp„What’s up, teacher?“, oder: „Was geht, Lehrer?“ – Dass sich Schülerinnen und Schüler untereinander ausgiebig über den Kommunikationsdienst WhatsApp austauschen, ist bekannt. Laut einer Studie (siehe unten, Quelle 5) nutzen über neunzig Prozent schon der Zwölf- bis Dreizehnjährigen den Messenger. Eltern sind auch längst infiziert, chatten per WhatsApp mit ihren eigenen Kindern und mit anderen Eltern. Auch die Lehrer spielen munter mit. – Ist ja alles so einfach! Und alle anderen sind ja auch längst mit dabei!

Warum denn auch nicht? Ein Lehrer fasst seine Motivation zusammen:

„Ich möchte den Jugendlichen und den Studierenden, die ich pädagogisch begleite, zuhören können. Das bedeutet, dass meine Kommunikationsschwellen so tief wie möglich sind: Ich will erreichbar sein, um an pädagogischen Gesprächen teilnehmen zu können. Das bedeutet für mich, dass ich nicht anderen die Kanäle diktiere, sondern ihre Kanalwahl respektiere.“
(Siehe unten, Quelle 2)

Das hört sich zunächst einmal sehr nachvollziehbar an, geradezu pädagogisch wertvoll, nicht wahr? Aber es gibt natürlich auch Andere, oftmals kritische Lehrer oder Eltern, die dem „Datenkraken WhatsApp“ aus mehr oder weniger fundierten Gründen ablehnend gegenüber stehen.

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Ich möchte mich in diesem Beitrag nicht an Spekulationen beteiligen, was der Facebook-Konzern, zu dem WhatsApp gehört, mit den Inhalten und damit verbundenen Daten alles anstellt, an wen er sie weitergibt oder verkauft. Möglichkeiten dazu haben WhatsApp & Facebook allemal genug. Gute Gründe, warum man dem Dienst misstrauen sollte gibt es viele (siehe unten, Quelle 1).

Für mich gibt es einen schwer wiegenden Grund, aus dem ich WhatsApp ablehne und nicht nutze: In den aktuellen Nutzungsbedingungen von WhatsApp heißt es wörtlich wie folgt.

„Du stellst uns regelmäßig die Telefonnummern von WhatsApp-Nutzern und deinen sonstigen Kontakten in deinem Mobiltelefon-Adressbuch zur Verfügung. Du bestätigst, dass du autorisiert bist, uns solche Telefonnummern zur Verfügung zu stellen […]“
(Siehe unten, Quelle 3)

Mich würde interessieren, wer guten Gewissens sagen kann, dass sie oder er autorisiert ist, Daten der Kontakte aus seinem Adressbuch an WhatsApp weiterzugeben. Haben Sie etwa schriftliche Bestätigungen all Ihrer Familienangehörigen, Freunde, Arbeitskollegen und Bekannten vorliegen, dass Sie deren Telefonnummern regelmäßig an den Facebook-Konzern übermitteln dürfen?
Da ich solche Zusagen keinesfalls habe und auch nicht einzuholen gedenke, ist mir eine Nutzung von WhatsApp viel zu heiß. Ich würde auch keine Klassenlisten mit Telefonnummern einscannen und nach Menlo Park in Kalifornien schicken. Schließlich müsste ich jederzeit mit zivilrechtlichen Klagen rechnen. Der Hinweis auf das Motto „wo kein Kläger, da kein Richter“ ist mir zu dünn.

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Darüber hinaus gibt es ein weiteres Problem, das insbesondere Lehrerinnen und Lehrer ganz genau ins Auge fassen müssten. In den WhatsApp-Bedingungen (siehe unten, Quelle 3) wird als Mindestalter für eine WhatsApp-Teilnahme die gültige nationale Bestimmung angeführt, jedenfalls mindestens 13 Jahre ohne Zustimmung der Eltern bei jüngeren Kindern.

EU-Datenschutzgrundverordnung 2018

Zu dieser generellen Altersbeschränkung durch WhatsApp gibt es noch einen oben drauf: Am 25. Mai 2018 tritt eine neue EU-weite Datenschutz-Verordnung in Kraft, in der das Mindestalter in den Ländern der EU grundsätzlich auf 16 Jahre festgesetzt wird (siehe unten, Quellen 4 und 6). Das bedeutet, dass WhatsApp-Chats mit Schülern unterhalb der zehnten oder elften Jahrgangsstufe nur dann risikolos sind, wenn explizite, einzelne elterliche Zustimmungen vorliegen.
Dieser Umstand sollte Pädagogen und Schulleiter zum Grübeln bringen. Auch wenn es noch so einfach und fancy ist, mit Schülern zu „whatsAppen“.

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Damit sind wir wieder am Anfang dieses Beitrags angelangt: „Aber es ist doch so einfach! Und alle machen es.“

Erzählen Sie mir jetzt bitte nicht, dass auch Sie jeden Morgen lemminghaft die rote Fußgängerampel vor der Schule ignorieren, weil Ihre Schüler das auch tun und weil es auf diese Weise so einfach ist, rechtzeitig zum Unterricht zu erscheinen. Denken Sie an Ihre Vorbildfunktion; und an Ihre Verpflichtung gegenüber der Gesellschaft, insbesondere der kommenden Generationen, für die Sie Verantwortung übernommen haben.

(Wenn Sie wissen möchten, welche Alternativen zu WhatsApp insbesondere für Schulen existieren, stehe ich Ihnen gerne zur Verfügung.)

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Quellen & Vertiefung:

  1. Abschied von WhatsApp: Fünf gute Gründe, den Messenger zu wechseln, Ingo Dachwitz, Netzpolitik.org, 9/2016
  2. Warum ich WhatsApp nicht lösche, Philippe Wampfler, Schule Social Media, 10/2016
  3. WhatsApp Rechtliche Hinweise, WhatsApp (deutsch), Stand 2/2018
  4. Welches Mindestalter gilt für WhatsApp?, EU-Initiative Klicksafe, 12/2016
  5. JIM-Studie, Medienpädagogischer Forschungsverbund Südwest, 2016
  6. Die EU-Datenschutzgrundverordnung – was ändert sich 2018, Christian Solmecke, Wilde Beuger Solmecke Rechtsanwälte, 2018