Didacta Digest 2018

Didacta Diskussion
Diskussion: Wie kann die digitale Bildungsrevolution gelingen?

Am Dienstag, den 20. Februar war ich zu Gast auf der Bildungsmesse Didacta auf dem Messegelände in Hannover. Es war ein langer und intensiver Messetag von 9 bis 17 Uhr, mit vielen interessanten Kontakten zu Ausstellern und der Teilnahme an einigen Panels zum Thema Digitalisierung an Schulen.

Für alle Leser dieser Rubrik, die wenig Zeit haben, fasse ich den Besuch in meinen drei persönlichen TOP-Impressionen zusammen:

  1. Die Lösungsanbieter präsentieren eine riesige Bandbreite an Angeboten für Bildungseinrichtungen: von der Hardware für den Unterricht (Touch-Technologie für Schulung & Präsentation, Einbindung von Tablet-Lösungen) bis zur Kommunikations-Organisation (Cloud-Konzepte, Messaging).
  2. Es herrscht nach wie vor große Unsicherheit in Hinblick auf die Finanzierungsfrage. Der „Digitalpakt Schule“ ist beschlossen, jedoch nicht verabschiedet, geschweige denn direkt umzusetzen.
  3. Schulen und Kollegien fühlen sich nicht ausreichend vorbereitet und unterstützt bei der Planung von Umsetzungsszenarien und Schulung des Lehrpersonals. Die Notwendigkeit eines digitalen Unterrichtsangebotes stellt kaum jemand in Frage, aber der Weg dahin verschwindet noch immer vor dem Horizont im Nebel.

Wer mehr zu diesen dürren Stichpunkten wissen will, für den habe ich im Folgenden eine ausführlichere Aufarbeitung meines Didacta-Besuches vorbereitet. Nehmen Sie sich die Zeit, es lohnt sich.

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9 Uhr morgens. Am ersten Messetag läuft die Didacta ganz langsam warm. Ich bin der allererste Interessent bei schul.cloud und bekomme eine Ein-Mann-Privatvorstellung der kombinierten Messenger- & Dateiablage-Lösung der beiden Unternehmen netschool und Untis. Die Idee ist bestechend: eine  Alternative zur Datenkrake WhatsApp gepaart mit einer Cloudlösung für Dokumentenaustausch zwischen Schülern und Lehrern – durchaus auch projizierbar auf ein Touchboard im Unterricht. Das werde ich ganz sicher noch im Detail auswerten.

Danach lasse ich mich bei Conen beraten: Touchboards für den Unterricht in verschiedenen Varianten; berührungssensitive Schultafeln als Touchscreen oder als Overhead-Projektion? Über diese beidenen Techniklösungen lässt sich trefflich streiten, und ich habe jetzt durchaus eine eigene Meinung dazu.

Beim Weiterlaufen komme ich am Stand der Österreicher SchoolFox vorbei und bleibe hängen. Die haben ganz zu Recht erkannt, dass sich ein erklecklicher Prozentsatz der inneren Organisation von Schulklassen, der Lehrerschaft und sogar der Eltern auf der Plattform von WhatsApp abspielt. Dass das keine so gute Idee ist, sollten wir alle wissen. SchoolFox bietet eine Kommunikations-App an, die auf Bildungseinrichtungen und Vereine zugeschnitten ist und den Informations- und Datenaustausch kanalisieren kann. – Ein richtig guter Ansatz, wenn die technische Umsetzung (Sicherheit) hält, was die Funktionalität verspricht.

Bei der Firma iServ geht man einige Schritte weiter und bietet eine umfassende, webbasierte Kommunikationsplattform an. Ich bin wohl im Mittagsloch am Messestand gelandet, es war weit und breit niemand da, um mit mir ins Gespräch zu kommen. Macht aber nichts. Ich habe mir Infomaterial mitgenommen und werde den interessanten Ansatz sicher im Nachgang mit dem Anbieter besprechen.

Ein paar Schritte weiter konnte ich mir bei Parotec Solutions Lösungen zur Aufbewahrung, zum Aufladen und Synchronisieren von Klassensätzen an Tablets oder Notebooks ansehen. Auch darum kommt eine Schule nicht herum, wenn Geräte für Schüler im Unterricht verwendet werden sollen.
Notiz am Rande: Die Diskussion um schuleigene Endegräte oder das Konzept BYOD (Bring Your Own Device) ist noch längst nicht ausgestanden und auch gar nicht so einfach zu entscheiden!

Bei der Firma Jambo gibt es 1. einen hervorragenden Kaffee und 2. eine umfangreiche Systemlösung rund um mobile Endgeräte auszuprobieren. Jambo bietet zusammen mit den Firmen Westermann, Ruckus und Samsung Device- und Applikationsmanagement, Sicherheitslösungen und schulische Inhalte an. – Die Beratung war wirklich außergewöhnlich engagiert und gut.

Ähnlich fundiert und aufschlussreich war mein Gespräch am Stand von AixConcept. Die haben sich grundsätzlich dem Angebot von Schul-IT verschrieben und waren mit verschiedenen Präsentationen am Start. Mich hat besonders das Schulnetzwerk-Produkt MNSpro interessiert und durch Flexibilität und saubere Bedienoberflächen beeindruckt.

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„Das Ende der Kreidezeit“

… wurde verschiedentlich auf der Didacta getitelt, und das ist natürlich ein sehr schönes Wortspiel. Aber was nach der Kreidezeit genau kommen soll, das ist auch in diesem Jahr offen geblieben.
Ich habe neben den Ausstellerbesuchen sechs Diskussionsforen, Panels und Fachvorträge besucht und in der Summe genau die beiden Impressionen 2 und 3 (siehe ganz oben) mitgenommen: Unsicherheit sowie fehlende Vorbereitung und Unterstützung.

Fazit: Da kommt noch sehr viel Arbeit auf Bildungsinstitutionen und -institute zu. Dieser aus dem Weg zu gehen oder sie aufzuschieben, ist keine Alternative. Ich habe zwei Aussagen in den Diskussionen aufgeschnappt, deren Autoren ich leider nicht mehr namentlich zuordnen kann, die jedoch treffend charakterisieren, wo wir uns im Thema Digitalisierung der Schule gerade befinden.
Eine hannoveraner Schülerin (siehe Titelfoto Mitte) sagte über die neuen Medien: „Das geht nicht mehr weg“ und hat vollkommen recht. Es wäre ein Fehler anzunehmen, dass Smartphone & Co. in ein paar Jahren wieder in der Versenkung verschwinden, wenn wir nur lang genug den Kopf in den Sand stecken.
Und einer der Podiums-Moderatoren fasste die aktuelle Situation mahnend zusammen: „Nach G8 und nach der Inklusion ist die Digitalisierung das dritte große Thema in Folge, das die deutschen Bildungseinrichtungen an die Wand fahren werden!“

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(Disclaimer: Mit keinem der genannten und verlinkten Aussteller stehe ich in wirtschaftlicher Verknüpfung. Ich fühle mich der Transparenz verpflichtet und nenne meine Gesprächspartner auf Messen und Veranstaltungen.)